Hintergrund
Wissenschaftliche Bohrungen sind eines der wertvollsten Instrumente unter den zahlreichen technischen Fortschritten in den Geowissenschaften - vor allem, weil sie die Möglichkeit bieten, tiefe natürliche Laboratorien in der kontinentalen Kruste für kurz- bis langfristige Beobachtungen von Prozessen im Erdinneren einzurichten. Wissenschaftliche Bohrungen ermöglichen es uns, Modelle zu überprüfen, indirekte Methoden der geophysikalischen Erkundung zu kalibrieren und in situ Experimente durchzuführen. Die Ergebnisse sind von größter Bedeutung für die Einschätzung vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Entwicklungen auf der Erde und für die Beantwortung sozioökonomischer Fragestellungen. Geowissenschaftliche Bohrungen tragen auch zur Entwicklung von Präventionsstrategien und nachhaltigen Konzepten bei, indem sie ein tieferes Verständnis für erdbezogene Fragen, Prozesse und Probleme vermitteln. Dieses Wissen ist entscheidend für die Entwicklung integrierter Managementstrategien zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung.
Das Internationale Kontinentale Wissenschaftliche Bohrprogramm (International Continental Scientific Drilling Program, ICDP) ist die Plattform für kontinentale Forschungsbohrungen, welches zur Koordinierung von Forschungsbohrprojekten auf dem Festland mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Zielen und einem breiten Spektrum von Tiefenzielen und technischen Herausforderungen dient. Das ICDP wurde 1996 am Helmholtz-Zentrum Potsdam/Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) gegründet und hat sich zur Aufgabe gemacht „durch die einzigartigen Möglichkeiten kontinentaler wissenschaftlicher Bohrungen genaueste, grundlegende und weltweit bedeutsame Erkenntnisse über die Struktur, Zusammensetzung und Prozesse der Erdkruste zu gewinnen“.
Der jüngste Wissenschaftsplan des ICDP, der das Jahrzehnt von 2020 bis 2030 abdeckt, trägt den Titel „Milliarden von Jahren Erdentwicklung“ und behandelt vier Hauptthemen: i) Geodynamische Prozesse: Verständnis der Prozesse, die den heutigen Zustand des Planeten geformt haben; ii) Georisiken: Verstehen der gesamten Kette von der Gefahr bis zum Risiko; iii) Georessourcen: Verbessertes Verständnis des Untergrunds; und iv) Umweltveränderungen: Sedimentarchive, die uns zeigen, wie sich die Erde entwickelt hat. Ein weiteres Kapitel des Wissenschaftsplans befasst sich mit Bohrtransekten von Land zu Meer (L2S), die sowohl in der terrestrischen als auch in der marinen Forschung von großer Bedeutung sind, da sie das Potenzial haben, wichtige wissenschaftliche Durchbrüche für die Herausforderungen der Menschheit zu ermöglichen, wie z. B. das Zusammenspiel zwischen Süß- und Meerwasser entlang der Küsten, den Übergang zwischen kontinentaler und ozeanischer Kruste, die Bildung und Entwicklung nachhaltiger Georessourcen aus mikrobiellem Leben und Vulkanen sowie die damit verbundenen biogeochemischen Kreisläufe.
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.icdp-online.org/ und im ICDP Wissenschaftsplan 2020-2030